Die Lizenz zum Rumspinnen

Im 70:20:10-Arbeitszeitmodell sollen wilde neue Geschäftsideen sprießen

In der ewigen Bestenliste der berühmten letzten Worte verdient „Das habe ich schon immer so gemacht“ vermutlich einen Spitzenplatz. Oder andersrum: Auch Soloselbstständige müssen sich und ihr Geschäft weiterentwickeln. Ein 70:20:10-Modell à la Google ist eine Möglichkeit, die Suche nach neuen Ideen und Einnahmequellen im Arbeitsalltag zu verankern.

Man muss die viel geschmähte „Datenkrake“ Google nicht mögen. Aber eins muss man dem Unternehmen lassen: Der Konzern bringt seit Jahren systematisch ein neues Produkt nach dem anderen auf den Markt und wagt sich dabei immer wieder in neue Bereiche vor. Manche der neuen Dienste werden Hits, andere bleiben Flops – solange genügend Volltreffer dabei sind, kann Google sich das leisten.

Permanente Weiterentwicklung ist Programm

Die permanente Suche nach neue Ideen ist bei Google durch das 70:20:10-Modell im Arbeitsalltag verankert. In einem Interview hat CEO Eric Schmidt erklärt, wie das Modell funktioniert:

  • 70 Prozent der Arbeitszeit gehört dem Kerngeschäft.
  • 20 Prozent der Arbeitszeit werden der Weiterentwicklung des Kerngeschäfts gewidmet.
  • 10 Prozent der Arbeitszeit stehen für Projekte zur Verfügung, die mit dem Kerngeschäft nichts zu tun haben.

Wie lässt sich das umsetzen? Bei Google gab es eine Zeit lang für jedes Projekt einen eigenen Raum. Wer sich zu lange in einem bestimmten Raum aufhielt, investierte seine Arbeitszeit nicht korrekt.

Anregung für FreelancerInnen

Ich kenne keine Soloselbstständigen, die genügend Büroräume für so eine Lösung haben. Nebenbei: So ein System könnte als Indikator für Scheinselbstständigkeit dienen – nämlich dann, wenn der ganze Arbeitstag in einem Zimmer stattfindet und alle übrigen leer stehen.

Solange 70:20:10 gut genug ist für eines der am schnellsten gewachsenen Unternehmen aller Zeiten, ist es wohl für die meisten Soloselbstständigen einen zweiten Blick wert.

Es ergibt für uns Freelancer wenig Sinn, die Einhaltung der „Innovationsquote“ mit der Stoppuhr zu überwachen. Vermutlich reicht es, die Richtwerte im Hinterkopf zu behalten. Bei einer 40-Stunden-Woche ergäben sich plus/minus vier Stunden für wilde Ideen, neue Geschäftsfelder und künftige Einnahmequellen. Sozusagen eine zeitlich begrenzte Lizenz zum Rumspinnen – für mich klingt das paradiesisch.

Wie halten Sie ihr Geschäft up to date? Woher bekommen Sie frische Ideen? Bitte hinterlassen Sie einen Kommentar!




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