„Dem toten Pferd geht’s prima“

Interview mit dem Twitter-Experten Olaf Hoprich

Ich kenne niemanden, der den Kurznachrichtendienst Twitter so gut versteht und erklären kann wie Olaf Hoprich aus Berlin. Er hat innerhalb von zwei Jahren rund 5.000 Follower für seinen Account @Gruendercoaches eingesammelt. Besonders spannend: Olaf ignoriert völlig ungeniert das Marketing-Mantra „Content is King“. Er erstellt kaum eigene Inhalte, sondern setzt in erster Linie auf Retweets.

Olaf, das Unternehmen Twitter produziert in jüngster Zeit vor allem schlechte Neuigkeiten. Die Nutzerzahl stagniert, die Firma macht Verlust. Warum sagst du nicht wie viele andere: Das Pferd ist tot, ich steige ab?

Olaf Hoprich: Ach, die globalen Nutzerzahlen und die geschäftliche Entwicklung sind doch in erster Linie für die Aktionäre interessant. Als Nutzer kann mir diese Thematik egal sein. Für mich zählen schlussendlich ganz andere Dinge. Twitter hat in Deutschland eine siebenstellige Zahl von Nutzern. Selbst wenn dieser Wert stagnieren sollte, was ich nicht glaube, dann bleibt für mich mit rund 5.000 Followern noch ein immenses Potenzial. Ich finde: Dem toten Pferd geht’s prima.

Der Twitter-Experte Olaf Hoprich

Olaf Hoprich

Was macht den Kanal aus deiner Sicht so interessant?

Olaf Hoprich: Twitter ist ideal für Einzelunternehmer und kleine Firmen, weil sie hier potenzielle Kunden direkt erreichen können, ohne einen Cent auszugeben. Wir müssen nur etwas Zeit investieren. Ich sehe Twitter eher als B2B-Medium, über das man Geschäftskunden anspricht. Wer aber ein Produkt für die breite Masse anbietet, ist vermutlich bei Facebook besser aufgehoben.

Wen kann ich bei Twitter erreichen?

Olaf Hoprich: Twitter wird überwiegend mobil genutzt. Unter den Menschen, die von unterwegs online gehen, sind besonders viele mit überdurchschnittlicher Bildung und relativ hohem Einkommen. Das heißt: Hier bewegt sich eine sehr attraktive Zielgruppe.

Okay, angenommen, ich bin überzeugt und will auch twittern. Wie starte ich am besten?

Olaf Hoprich: Das A und O ist der Spaß an der Sache. Am Anfang muss ich rausfinden, ob Twitter zu mir passt. Falls ich nach drei Wochen die Lust verliere, kann ich einfach den Account wieder löschen und gut ist. Zu Beginn solltest du dich erst mal mit dem Medium vertraut machen und anderen folgen, die sich mit deinem Thema beschäftigen. Deren Tweets kannst du retweeten, also an deine eigenen Follower weiterleiten.

Was ist denn mit eigenen Inhalten? Die brauche ich doch, oder?

Olaf Hoprich: Aber wer sieht die denn? Am Anfang ist die Zahl der Follower immer winzig – du folgst beispielsweise deinen Bekannten und vielleicht folgen die dir. Es lohnt sich gar nicht, für die paar Leute extra Inhalte zu erstellen. Ich plädiere dafür, erst mal über Retweets Reichweite aufzubauen. Meine Daumenregel: Wenn man die ersten 1.000 Follower hat, kann man sich über Inhalte, Strategie und so weiter Gedanken machen. Bis dahin geht es nur um Wachstum. Aber auch so eine relativ überschaubare Zahl von Followern erreicht man nicht über Nacht.

Warum soll jemand mir folgen, wenn ich nur Retweets poste?

Olaf Hoprich: Der normale Twitter-Nutzer ist nicht immer online und verpasst viele Nachrichten, weil die irgendwann am unteren Bildschirmrand verschwinden. Das passiert auch, wenn man die personalisierte Timeline nutzt – es sind einfach zu viele Nachrichten. Durch einen Retweet kann ich eine Nachricht für meine Follower aus der Versenkung holen. Wer das zu schätzen weiß, wird mir folgen. Des Weiteren bedeutet ein Retweet auch immer so etwas wie das Streicheln der Seele oder des Egos des Twitter-Nutzers. Wer seine Follower und das Thema Social Media ernst nimmt, folgt und retweetet auch zurück.

Wieviel Zeit kostet Twitter?

Olaf Hoprich: Ich habe am Anfang eine Viertelstunde pro Woche investiert, heute sind es vielleicht zwei Stunden. Mein Trick: Ich nutze beim Lesen den „Herzchen-Button“ um interessante Tweets zu markieren. Wenn ich dann zwischendurch mal eine ruhige Minute habe, rufe ich diese markierten Tweets unter „Gefällt mir“ auf und retweete sie.

Woran misst du deinen Erfolg?

Olaf Hoprich: Solange die Zahl meiner Follower wächst, bin ich auf dem richtigen Weg. Der finanzielle Nutzen stellt sich eher über drei Ecken ein: Potenzielle Kunden werden auf mich aufmerksam. Wenn ich sie in Sachen Online-Marketing berate, brauche ich nicht lange zu betonen, dass ich mich auskenne. Den meisten reicht ein Blick auf mein Twitter-Profil und auf die Zahl meiner Follower.

Mehr über Olaf Hoprich alias @Gruendercoaches steht auf der Website seiner Firma: okzielerreicht.de

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