Geschenk-Artikel?

Warum Soloselbstständige höchstens Arbeitspröbchen gratis liefern sollten

Hat man Sie schon mal gebeten, umsonst zu arbeiten? Mit der Begründung, die Gratislieferung könnte der Beginn einer wunderbaren Geschäftsfreundschaft sein? Ich finde, Freelancer sollten von der Kosmetikindustrie lernen und antworten: Umsonst gibt es höchstens ein Pröbchen.

Meine Stammkunden sind zum Glück seriöse Geschäftspartner – sie erwarten keine Gratisleistungen. Bei der Akquise von Neukunden stellt sich die Frage aber immer wieder.

Soloselbstständige können von der Kosmetikindustrie lernen: Umsonst gibt es höchstens ein Arbeitspröbchen. Bildrechte: Fotolia – Zerbor.

Soloselbstständige können von der Kosmetikindustrie lernen: Umsonst gibt es höchstens ein Arbeitspröbchen.

Beispiel 1: Eine bekannte Unternehmensberatung wollte einen Teil des Web-Auftritts neu texten lassen. Als Teil des Angebots erwartete die Firma zwei kurze Probetexte.

Beispiel 2: Eine PR-Agentur schrieb:

Wir möchten Sie bitten, auf Basis eines typischen Kunden-Briefings einen Probetext zu verfassen. […] Im Anhang finden Sie Informationen zu dem Projekt – wichtig ist, dass Sie nicht zu stark auf das Unternehmen an sich eingehen, sondern zügig auf Problemstellung und Problemlösung kommen, ohne wiederum den Kunden … zu penetrant in den Vordergrund zu rücken.
Umfang: 3000 – 4000 Zeichen (incl Leerzeichen)
Deadline: Mittw 2. Dez, 14 Uhr

Netter Versuch. Man wollte nicht nur einen Geschenk-Artikel, man erwartete auch noch die Lieferung binnen 48 Stunden.

Im ersten Fall habe ich die beiden Probe-Absätze geliefert, weil das Texten in einer halben Stunde erledigt war. Im zweiten Fall habe ich zurückgeschrieben:

Nur zur Sicherheit: Ich gehe davon aus, dass ich den Beitrag zu den üblichen Konditionen abrechnen kann. Bitte bestätigen Sie mir das kurz, dann sende ich ein offizielles Angebot.
Ich würde mich freuen, den Auftrag zu erhalten!

Wie zu erwarten war, bekam ich keine Antwort und schrieb das Unternehmen als potenziellen Auftraggeber erst mal ab.

Am Ende nahmen beide Anfragen eine überraschende Wendung: Den Auftrag von der Unternehmensberatung bekam ich nicht, denn jemand hatte mich unterboten. Vielleicht ein Soloselbstständiger, der fast umsonst arbeiten wollte? Die PR-Agentur dagegen hat wenige Wochen später einen regulär bezahlten Auftrag platziert. Die Rechnung ist unterwegs – wenn auch die Zahlungsmoral stimmt, kann daraus tatsächlich eine wunderbare Geschäftsfreundschaft werden.

Das bestärkt mich darin, mit solchen Anfragen auch in Zukunft wie gewohnt umzugehen: Grundsätzlich belege ich meine Qualifikation durch Arbeitsproben und Referenzen. Wenn ich einen Auftrag wirklich haben will, investiere ich ein Pröbchen. Aber: Ein gebrauchsfertiges, kommerziell verwertbares Produkt gibt es nicht umsonst!

Wie gehen Sie mit Kunden um, die Gratis-Arbeit erwarten? Bitte hinterlassen Sie einen Kommentar!







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