„Ich will in die Zeitung!“

Wie ein bisschen Marketing-Strategie Soloselbstständigen Zeit, Geld und Energie sparen kann

Manche EinzelunternehmerInnen kennen nur ein Marketing-Ziel: „Ich will in die Zeitung!“ Die Vorstellung, dass Medienberichte automatisch für Kundschaft, Umsatz und allgemeines Wohlbefinden sorgen, ist erstaunlich weit verbreitet. Wer nur begrenzte Vorräte an Zeit, Geld und Energie hat, sollte zwei Mal nachdenken.

Kennen Sie auch ein Medium, in dem Sie unbedingt vorkommen möchten? Dann stellen Sie sich bitte zwei Fragen:

  • „Wie viele meiner potenziellen Kunden erreicht das Medium?“
  • „Wie oft berichtet dieses Medium über Soloselbstständige wie mich?

Ein Ego-Trip ist noch kein Marketing

Wenn die erste Antwort nicht „jede Menge“ lautet – was soll dann ein Bericht der Lieblingszeitung oder des bevorzugten Senders bringen? Wer trotzdem weitermacht, wird vielleicht das eigene Ego streicheln. Aber gezieltes Marketing ist das nicht. Soloselbstständige sollten den Begriff nämlich umfassend verstehen und mit „marktorientierter Unternehmensführung“ übersetzen.

Auch die zweite Antwort dürfte oft ernüchternd ausfallen. Beispiel Lokalzeitungen: Deren Stärke war noch nie die Berichterstattung über die örtlichen Unternehmen. In den meisten Verlagen, die ich kenne, gilt: „Firmen sollen gefälligst Anzeigen schalten, wenn sie ihre Botschaften verbreiten wollen.“ Redaktionelle Berichte über (Kleinst-)Unternehmen sind so gesehen schlecht fürs Geschäft.

Über die Arbeit von Soloselbstständigen berichten die meisten Publikumsmedien nur im Ausnahmefall. Manche RedakteurInnen fürchten regelrecht, einen Präzedenzfall zu schaffen: Stellen sie Anwalt x oder Beraterin y vor, ist nicht nur die Anzeigenabteilung sauer. Zu allem Überfluss kommen dann andere Anwälte und Berater – und wollen auch „in die Zeitung“.

Zentrale Fragen früh beantworten

Also zurück auf Los. Wer durch Öffentlichkeitsarbeit im weitesten Sinne Kunden gewinnen will, sollte erst mal herausfinden, wo die nach Informationen suchen. Das Schlüsselwort heißt „suchen“. Denn nur dann, wenn wir etwas wissen wollen, sind wir aufnahmebereit. Ansonsten schaltet der Durchschnittskonsument die Ohren auf Durchzug und blendet Werbebotschaften aus. An dieser Erkenntnis setzt übrigens das Content Marketing an.

Wer sind die potenziellen Kunden, was suchen sie? Wer sich diese Fragen beantwortet, hat den ersten Ansatz einer Marketing-Strategie entwickelt. Diesen Schritt zu überspringen, führt im Zweifel auf Zeit und Geld raubende Umwege. Und es rächt sich spätestens beim Texten für die Website: Ohne klare Vorstellung vom Adressaten bleibt allzu oft nur die Flucht in allgemeines Blabla.

Und damit kommt man garantiert nicht „in die Zeitung“.

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