Wertvolle Erfahrung

Eine konsequente Zeiterfassung liefert Freelancern realistische Daten für ihre Kalkulation

Wie viel Arbeitsstunden erfordert eine Pressemitteilung? Eine Newsletter-Meldung? Der CvD-Job für ein komplettes Magazinheft? Eine Zeiterfassung hilft Soloselbstständigen, solche Fragen schnell und zuverlässig zu beantworten.

Anfang vergangenen Jahres saß ich bei einem potenziellen Neukunden, der eine kurze Presse-Information über seine Marktforschungs-Software geschrieben haben wollte. Außerdem sollte ich das Thema direkt einigen Redaktionen ans Herz legen. Nach kurzem Überlegen bot ich ihm das für den Gegenwert von drei Arbeitsstunden an. Ich hielt das für ein Schnäppchen – was tut man nicht alles für einen zusätzlichen Auftraggeber? Doch mein Gegenüber fiel fast vom Stuhl und erklärte, er könne das in einer Stunde erledigen.

Ich habe in Ruhe meinen Kaffee ausgetrunken, mich diplomatisch verabschiedet – und nie wieder etwas von der Firma gehört.

Hunderte Freelancer-Aufträge im Blick

Warum ich meiner Sache so sicher war? Über die Jahre habe ich als Soloselbstständiger für mehrere Hundert kleine und große Jobs die tatsächlich aufgewendete Zeit erfasst. So kommt nach und nach ein wertvoller Erfahrungsschatz zusammen. Die Skala reicht von einer halben Stunde bis zur dreistelligen Werten für den Zeitaufwand.

Die Übersicht der tatsächlich aufgewendeten Stunden lässt sich noch für andere nützliche Auswertungen nutzen, etwa die laufende Überwachung von größeren Aufträgen. Bei Projekten, die sich über Wochen und Monate hinziehen, checke ich zwischendurch den Aufwand. Läuft der aus dem Ruder, kann ich frühzeitig versuchen, mit dem Auftraggeber nachzuverhandeln. Das verspricht für Alleinunternehmer meistens mehr Erfolg als eine Diskussion nach Abschluss des Auftrags.

Eine Tabelle reicht für den Einstieg

Meine Zeiterfassung habe ich mir vor fast zehn Jahren aus einem mit Open Office Base erstellten Formular und einer MySQL-Datenbank gestrickt. Das war noch komplizierter als es klingt. Dafür ist das System mindestens drei Mal ohne größere Probleme auf neue Rechner umgezogen. Es hat den Wechsel von SuSe zu Ubuntu überstanden, den Umstieg von OpenOffice auf LibreOffice mitgemacht und wäre vermutlich sogar unter Windows nutzbar.

Vorher habe ich das Ganze mit einer simplen Tabellenkalkulation erledigt – das wäre nach wie vor ein guter Einstieg für Soloselbstständige. Natürlich gibt es auch spezielle Tools für eine etwas komfortablere Zeiterfassung. Beispielsweise bringt die Arbeitsumgebung KDE einen kostenlosen „Time Tracker“ mit.

Verlässliche Kalkulationsgrundlage für Soloselbstständige

Meine Sammlung von Erfahrungswerten führt zu realistischen Kalkulationen – davon profitieren meine Kunden. Der oben erwähnte Software-Anbieter ist übrigens den Beweis schuldig geblieben, dass „Make“ für ihn schneller geht als „Buy“: Auf seiner Website ist seit damals keine Meldung mehr erschienen – die letzte „Neuigkeit“ des Unternehmens stammt aus dem Jahr 2013.

Wie halten Sie Ihren Arbeitsaufwand nach? Bitte hinterlassen Sie einen Kommentar!




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